Technisches SEO für eine Kanzleiwebsite soll sicherstellen, dass wichtige Seiten erreichbar, verständlich verknüpft und für Suchmaschinen zugänglich sind. Die Prüfung beginnt bei den tatsächlichen Rechtsgebiets-, Personen- und Standortseiten. Ein pauschaler Fehlerbericht mit vielen unwichtigen Warnungen hilft wenig, wenn eine zentrale Leistungsseite versehentlich von der Indexierung ausgeschlossen ist.
Dieser Leitfaden ordnet die wichtigsten Prüfungen nach ihrer praktischen Wirkung. Er richtet sich an Kanzleiverantwortliche, die Aufgaben mit Webentwicklung und SEO-Betreuung abstimmen müssen.
Eine Liste der wichtigen URLs anlegen
Bevor ein Crawler startet, wird der Sollbestand festgehalten: Homepage, zentrale Rechtsgebiete, wichtige Anwaltsprofile, echte Standorte, relevante Ratgeber und Kontaktseiten. Daneben gibt es funktionale URLs wie Suchergebnisse, Archive oder Systemseiten. Nicht jede technisch vorhandene URL soll eine eigene Suchergebnisseite werden.
Ergänzen Sie pro wichtiger URL die Aufgabe, zuständige Person und gewünschte Erreichbarkeit. So lässt sich später unterscheiden, ob ein Ausschluss gewollt oder fehlerhaft ist. Ein Entwurfsbereich muss beispielsweise nicht in Google erscheinen; eine freigegebene Fachseite normalerweise schon.
Die Google Search Console liefert dafür Informationen zur Suchleistung und Indexierung. Sie ersetzt nicht den manuellen Blick auf die Seite, kann aber Auffälligkeiten und betroffene URL-Gruppen zeigen. Zugriff und Zuständigkeit sollten bei der Kanzlei dokumentiert sein, auch wenn eine Agentur die operative Arbeit übernimmt.
Erreichbarkeit und Indexierbarkeit getrennt prüfen
Eine URL kann im Browser funktionieren und trotzdem für Suchmaschinen ungeeignet eingerichtet sein. Deshalb werden Statuscode, Weiterleitungen, mögliche Indexierungsausschlüsse und die angegebene kanonische URL gemeinsam betrachtet. Die gewünschte Endseite muss mit ihrem Inhalt erreichbar sein und darf nicht versehentlich auf eine andere Seite verweisen.
Typische Prüfaufträge sind:
- Führt eine alte Fachseiten-URL direkt zur passenden neuen Seite?
- Gibt es wichtige Seiten, die nur über eine Suche oder ein Formular auffindbar sind?
- Enthalten veröffentlichte Seiten noch Einstellungen aus einer Entwicklungsumgebung?
- Zeigen interne Links auf erreichbare Zielseiten oder auf entfernte Entwürfe?
- Werden verschiedene URL-Schreibweisen widersprüchlich verwendet?
Die Diagnose gehört zum konkreten Befund. Ein allgemeiner Hinweis wie „Indexierung optimieren“ ist für die Umsetzung zu ungenau. Notieren Sie betroffene URLs, beobachtetes Verhalten, gewünschtes Ergebnis und eine Prüfmethode nach der Änderung.
Interne Links und Navigation testen
Die Navigation muss zentrale Angebote ohne Umwege erreichbar machen. Das gilt auch für Seiten, die nicht im Hauptmenü stehen: Profile können von Fachseiten, einzelne Büros von der Standortübersicht und Ratgeber von einem Themenbereich aus verlinkt werden.
Google erläutert die Anforderungen an crawlbare Links. Für die praktische Kontrolle prüfen Sie, ob Verweise als echte Links mit Zieladresse vorhanden sind. Eine rein optische Schaltfläche ohne verlässlich erreichbares Ziel kann für Besucher und Suchmaschinen Probleme verursachen.
Eine illustrative Kanzlei mit drei Büros könnte beispielsweise ein vollständiges Standortmenü besitzen, aber nur zwei Büros aus ihren Fachseiten verlinken. Der dritte Standort ist technisch erreichbar, wird inhaltlich jedoch kaum eingebunden. Die Lösung besteht nicht in einem zusätzlichen XML-Eintrag allein, sondern in passenden Verbindungen zwischen Büro, Team und Angebot. Mehr dazu im Leitfaden zur internen Verlinkung.
Mobile Nutzung und Ladeverhalten an echten Aufgaben messen
Prüfen Sie die Website auf einem schmalen Bildschirm: Lässt sich das Menü bedienen, bleibt Text lesbar und funktioniert die Kontaktaufnahme? Große Profilbilder, eingebettete Karten, Videos oder externe Widgets können die Nutzung belasten. Entscheidend ist, welche Bestandteile auf den relevanten Seiten tatsächlich geladen werden.
Beginnen Sie mit der Homepage und jeweils einer Fach-, Profil- und Standortseite. Testen Sie zusätzlich eine Seite mit vielen Bildern oder umfangreichen Einbettungen. Ein technischer Messwert allein zeigt nicht, ob ein Formularfeld verdeckt wird oder ein Menü sich nicht schließen lässt. Deshalb ergänzen sich Messung und manuelle Bedienung.
| Beobachtung | Konkrete Folge | Nächste Prüfung |
|---|---|---|
| Großes Profilfoto lädt unnötig schwer | Inhalt erscheint verzögert | Dateiformat, Abmessungen und Auslieferung |
| Kontaktformular ragt über den Bildschirm | Anfrage erschwert | Feldbreiten und mobile Darstellung |
| Karte blockiert den oberen Inhalt | Orientierung erschwert | Platzierung und Ladeweise |
| Menülink führt zur alten URL | Zusätzlicher Umweg | Linkziel und Weiterleitung |
Fehler nach Bedeutung priorisieren
Ein guter Maßnahmenplan unterscheidet blockierende Probleme, Verbesserungen wichtiger Seiten und nachrangige Aufräumarbeiten. Eine nicht erreichbare zentrale Leistungsseite wird vor einer kleinen Metadatenabweichung auf einer selten genutzten Archivseite bearbeitet. Die Reihenfolge berücksichtigt außerdem Abhängigkeiten: Manchmal muss zuerst ein Template korrigiert werden, damit viele Seiten gemeinsam profitieren.
Jede Aufgabe bekommt einen Verantwortlichen, eine nachvollziehbare Beschreibung und ein Abnahmekriterium. Nach der Umsetzung werden genau die betroffenen URLs erneut geprüft. Ein behobener Fehler wird dokumentiert; neue Warnungen werden nicht automatisch zu neuen Prioritäten erklärt.
Steht ein größerer Umbau bevor, gehört die Prüfung in die Relaunch-Planung. Besonders URL-Änderungen sollten vor Veröffentlichung geklärt werden. Google beschreibt hierfür einen eigenen Ablauf für Websiteumzüge mit URL-Änderungen.
Technik mit Inhalten und Anfragen verbinden
Eine technisch saubere Seite kann weiterhin am gewünschten Mandantenbedarf vorbeigehen. Umgekehrt kann ein überzeugender Fachtext seine Aufgabe schlecht erfüllen, wenn er schwer erreichbar ist. Technische und redaktionelle Prüfung gehören daher zusammen. Beginnen Sie mit den Rechtsgebietsseiten, die für die Kanzlei wirtschaftlich und fachlich wichtig sind.
Unsere Suchmaschinenoptimierung für Kanzleien verbindet Asset-Prüfung, Wettbewerbsvergleich und einen abgestimmten Maßnahmenplan. Nennen Sie im SEO-Gespräch Ihre Website, bekannte technische Probleme und geplante Änderungen. Daraus lässt sich der sinnvolle Prüfungsumfang ableiten.